Handlungen

Mit den wachsenden Fähigkeiten des Kindes steigen auch die Erwartungen, die Erwachsene an es stellen dürfen. Schrittweise beginnt es nun bereits, den “Schonraum” zu verlassen, der ihm anfangs wegen seiner Hilflosigkeit und Unwissenheit zugestanden wurde. Andererseits kann auch ein Spielzeug eine Handhabung wie bei einem Werkzeug verlangen: Soll sich das Lenkrad eines Kinderfahrzeugs oder ein rad drehen, so muss man in einer vorgeschriebenen Weise mit ihnen verfahren. Allmählich beginnt das Kind zu verstehen, dass man mit einem Gegenstand bestimmte Dinge tut und andere nicht. Dieser Lernprozess beschleunigt sich durch die zunehmende Fähigkeit des Kindes, die Handlungen der Erwachsenen nachzuahmen und zu wiederholen, sowie durch sein wachsendes Sprachverständnis. Zeigt und erklärt man ihm, wie es mit einem Gegenstand umgehen soll, so wird es ihn nicht mehr nur neugierig in den Mund stecken oder spielerisch wegwerfen. Es versucht vielmehr, die Handlung nachzuahmen. Allerdings sind die spezifischen Handlungen des Kindes in diesem Stadium noch an das konkrete Einzelding gebunden, an dem ihm der Gebrauch demonstriert wurde. Es dauert eine Weile, bis das Kind mehr und mehr verallgemeinern und die gleiche Handhabung auch auf einen anderen Gegenstand übertragen kann, denken sie z.B. an die verschiedenen Lenker von Fahrzeugen. Schon gegen des ersten Jahres konnte man das Kind auffordern, etwas zu tun oder zu unterlassen. Nun kann man allmählich immer mehr mit Worten erreichen. Das Kind versteht nicht nur die Aufforderung: “Nimm die Tasse!” Es weiß auch, was gemeint ist mit dem Satz “Du musst die Tasse mit zwei Händen halten!” oder “Achtung, gleich verschüttest du den Tee!”.

Es ist wichtig, dass das Kind mit solchen Anweisungen zur richtigen Handhabung von Gebrauchsgegenständen angeregt wird. Die Erwachsenen müssen ihm alles wiederholt zeigen und erklären, denn von selbst würde es dies nicht lernen. Dabei wird zugleich seine intellektuelle Entwicklung angeregt. Im praktischen Umgang mit Gebrauchsgegenständen liegt die Grundlage zum anschaulich-konkreten Denken. Durch Wiederholungen werden Erfahrungen im Gedächtnis gespeichert, die später in ähnlichen Situationen abrufbar sind. Außerdem prägt sich das Kind die wesentlichen Merkmale der Gegenstände ein. Nicht zuletzt machen diese kleinen Aufgaben jedem Kind großen Spaß und heben sein Selbstbewusstsein. Es strahlt vor Freude und Stolz, wenn es allein mit dem Löffel essen oder aus dem Becher trinken kann. Denn es möchte alles so tun wie die Erwachsenen.