Schwierigkeiten

Grundsätzlich ist es schwierig, die Grenzen des normalen Verhaltens zu bestimmen. Nicht jede Unregelmäßig muss gleich eine Verhaltensauffälligkeit oder Störung des Kindes sein. So sind geringer Appetit oder Einschlafschwierigkeiten gegen Ende des zweiten Jahres durchaus keine Seltenheit. Auch motorische Eigenarten kommen vor: Manche Kinder wippen vorübergehend auf Händen und Füßen, rollen den Kopf vor dem Einschlafen unruhig hin und her oder stoßen mit ihm gegen das Bett. Daumenlutschen oder gelegentliche Beschäftigung mit den Genitalien braucht sie nicht zu beunruhigen. Diese Erscheinungen tauchen auf und verschwinden gewöhnlich von selbst wieder, ohne Schäden zu hinterlassen. Erst wenn Eigenarten sehr auffällig werden oder längere Zeit dauern, handelt es sich um Signale dafür, dass das seelische Gleichgewicht des Kindes ernsthaft gestört ist. Eltern sollten dann mit einem Erziehungsberater oder Kinderarzt sprechen. Beide können helfen, die Ursachen zu erforschen und gegebenenfalls eine therapeutische Maßnahme oder eine Therapie einleiten. Ein Kind, das überhaupt nichts (oder fast nichts) essen will, zeigt damit eventuell an, dass seine seelische Problematik bedeutsamer geworden ist als das elementare Bedürfnis, den Hunger zu stillen. Das kann vorkommen, wenn ihm plötzlich die Liebe vertrauter Personen entzogen wird, wenn ihm Zärtlichkeit fehlt, wenn es stark in seinem Bewegungsdrang eingeengt wird oder wenn in seiner Umgebung Hetze und Spannungen herrschen. Wenn es dann trotzdem widerwillig isst, erbricht es hinterher häufig die Nahrung. Essstörungen treten jedoch auch vermehrt in Familien auf, in denen besonders großer Wert aufs Essen gelegt wird, in denen die Eltern überbesorgt verfolgen, ob ihr Kind gut isst. Sie benutzen oft jede Gelegenheit, dem Kind etwas in den Mund zu stopfen, womöglich sogar mit Gewalt. Kinderpsychologen haben festgestellt, dass mit der “Überfütterung” von Kindern aus einer Überängstlichkeit der Mutter heraus eine geheime Ablehnung des Kindes verbunden sein kann. Die Mutter beschwichtigt ihr schlechtes Gewissen, indem sie ihr Kind “voll stopft”. Nahrungsverweigerung ist in diesem Fall ein Protest des Kindes gegen die feindlich erlebte Mitwelt.