Im Säuglingsalter wurde die Basis des Vertrauens zu anderen Menschen gelegt. Auf dieser Grundlage kann das Kind jetzt das Vertrauen zu sich selbst entwickeln, zu seinen Fähigkeiten und zu seinem Körper. Mit einem Jahr erlebt sich das Kind bereits als etwas, das anders ist als die Umwelt. Es hat inzwischen mit den Händen seinen Körper ertastet und untersucht. Von dem Zeitpunkt an, wo es langsam auch im übertragenen Sinn auf eigenen Füßen steht, bekommt sein Selbstgefühl einen neuen Impuls. Es strebt nun in jeder Hinsicht möglichst große Selbstständigkeit an. Mit jeder Fertigkeit wächst bei ihm das Gefühl für sein Können und seine Unabhängigkeit. Seine geübte Motorik verleiht ihm zunehmend Macht über die Umgebung. Es kann greifen und festhalten, holen und wegstoßen. Mit Menschen kann es ebenso verfahren: einmal ist es anschmiegsam und zärtlich, im nächsten Augenblick widerspenstig und voller Abwehr. All diese Versuche der Selbstständigkeit sollten in jeder Weise unterstützt werden. Das Kind muss merken, dass das tiefe Einverständnis mit den Eltern auch dann erhalten bleibt, wenn es seinen Willen einmal zu heftig durchsetzten versucht, eigensinnig reagiert oder zwischen verschiedenen Impulsen hin- und hergerissen ist. Seine Sicherheit schwankt noch, daher muss es durch die Reaktion spüren, dass es ernst genommen wird. So ist das Kind trotz aller Ansätze zur Selbstständigkeit noch sehr schutzbedürftig und muss von den Erwachsenen Halt bekommen. Allmählich reift die Erkenntnis in ihm, dass es auf der Welt noch andere Menschen gibt, die ihm mehr oder weniger gleichen. Das Kind kann seinen Standort längere Zeit noch nicht genau bestimmen. Es sagt noch nicht “ich”, sondern nennt sich selbst mit seinem Vornamen. Es fühlt sich meist auch noch nicht angesprochen, wenn man “du” zu ihm sagt. Das ist erst ab zweieinhalb Jahren möglich.