Bei der Formung von Charakter und Verhalten wird die Ausbildung so genannter “männlicher” und “weiblicher” Eigenschaften entscheidend von der Erziehung und Tradition beeinflusst. Frauen wird oft pauschal nachgesagt, sie seien passiver und anlehnungsbedürftiger als Männer und würden eher gefühlsmäßig als verstandesmäßig handeln. Von Männern dagegen werden im Allgemeinen Aktivität, die Rolle des Beschützers und vernunftbetontes Handeln erwartet. So unterbinden nach dem Vorbild ihrer eigenen Erziehung manche Eltern (oder Großeltern) z.B. bei einem Jungen immer noch bestimmte emotionale Verhaltensweisen mit der Begründung, sie seien “weichlich” und “unmännlich”. Solche Äußerungen tragen natürlich dazu bei, dass das Verhalten in eine bestimmte Richtung gelenkt wird; hier in Richtung auf vermeintlich männliche Orientierung, zum einseitigen Hervorheben des Leistungsaspekts, gegen das Annehmen von Gefühlen. Zeitgemäß ist für Jungen und Mädchen das gleiche Spielzeug, das gleiche Maß an Zärtlichkeit, die gleiche Unterstützung ihrer Interessen, keine Orientierung nach angeblichen “männlichen” oder “weiblichen” Eigenschaften. Damit wird wenigstens eine gewisse Rollenflexibilität erreicht. In den nächsten Lebensjahren ihres Kindes erfolgt die Übernahme der Geschlechtsrolle dennoch: einmal überwiegend nach dem Vorbild der Eltern und dem, was sie von den Normen der Gesellschaft vermitteln, in die das Kind mehr und mehr hineinwächst, daneben zunehmend aufgrund des Vorbilds anderer Kinder und der Äußerungen von Erwachsenen außerhalb der Familie, zusätzlich später verstärkt auch durch den Einfluss des Fernsehens. Gegen Ende des zweiten Lebensjahres können sich im Gespräch bereits Fragen ihres Kindes zu geschlechtsbezogener oder sexueller Thematik ergeben. Beantworten sie solche ´Fragen immer klar, ehrlich und mit natürlicher Selbstverständlichkeit. Stellen sie sich ganz auf das Kind ein. Wenn sie das Gefühl haben, dass sie seine Frage gut beantwortet haben und es schon wieder an etwas anderes denkt, beenden sie ihre Erklärung. Die ersten Antworten auf Fragen zur Geburt können sie etwa so formulieren: “Jedes Baby wächst in seiner Mutter. Zuerst ist es sehr klein, dann wird es immer größer. Darum hat die Mutter dann einen so dicken Bauch. Wenn das Baby groß genug ist, kommt es durch die Scheide heraus.” Um den Unterschied zwischen Jungen und Mädchen zu erklären, sagen sie nicht einfach: “Das Mädchen hat keinen Penis.” Versuchen sie dem Kind zu verdeutlichen, dass die Geschlechtsteile beim Jungen außen sind, beim Mädchen jedoch im Körper liegen. Reagieren sie nicht abweisend, wenn ihr Kind sich mit seinen Genitalien beschäftigt und dabei Lustgefühle erlebt. Es bildet da keine Ausnahme. Verbieten sie diese Spiele und Beschäftigungen nicht, das würde zu überflüssigen und unsinnigen Schuld- und Angstgefühlen führen. Äußern sie sich nicht weiter dazu, sondern bieten sie ihrem Kind lieber etwas Abwechslung an. Und fördern sie Zärtlichkeiten, die sich auf alle Körperbereiche beziehen. Körperliche Lustempfindungen beschränken sich ja nicht nur auf den Genitalbereich.