Einige Verbote lassen sich beim besten Willen nicht vermeiden: solche, die das Kind vor Gefahren schützen. Viele Verbote anderer Art werden jedoch eher aus eigener Bequemlichkeit ausgesprochen als aus Notwendigkeit. Fragen sie sich gelegentlich, bevor sie dem Kind spontan etwas verbieten: “Darf das wirklich nicht sein?” Sicher stellen sie dann manchmal fest, dass sie auf das Verbot verzichten können. Sie dürfen auch ruhig einmal ein bereits ausgesprochenes Verbot zurücknehmen, wenn sie bemerken, dass ihr Kind darüber sehr unglücklich oder damit unzufrieden ist. Warum soll es denn z.B. den Papierkorb nicht einmal ausleeren oder das Zimmer nicht verlassen dürfen? Glauben sie nicht, dass sie an Autorität einbüßen, wenn sie gelegentlich eine Sache durchgehen lassen. Im Gegenteil, es ist sogar sehr positiv, wenn ihr Kind spürt, dass es auch Einfluss auf sie ausüben kann. Wenn es erlebt, dass mit ihnen zu reden ist, wird es später auch nicht so sehr versuchen, ihre Nachgiebigkeit mit Trotzreaktionen zu erzwingen. Bei Bestrafungen versteht das Kind häufig nicht einmal den Grund. Es fühlt sich verunsichert und entwickelt Trotz. Verhindern sie lieber, dass das Kind etwas ernsthaft Verbotenes tut, indem sie es von seiner beabsichtigten Handlung ablenken, es für eine andere Sache interessieren. Ist doch ein Missgeschick geschehen, so kritisieren sie ihr Kind nicht pauschal durch Bemerkungen wie “Spinnst du, ich hab’s dir doch gesagt!” oder gar “Mama hat dich nicht mehr lieb!”. Ihre Kritik sollte sich nur auf die Sache beziehen: “Schade, dass das schöne Glas kaputt ist!” wenn das Kind etwa eineinhalb Jahre alt ist, können sie mit ruhiger, vernünftiger Argumentation bereits mehr erreichen als mit erregtem Schimpfen. Sie wollen ja nicht, dass ihr Kind später bestimmte Handlungen nur unterlässt, weil es sich vor der Strafe fürchtet. Wenn sie möchten, dass ihr Kind ein bestimmtes Verhalten öfter zeigt, brauchen sie es dafür nur anzuerkennen. Aber auch hier gilt wieder die Regel: Loben sie dabei nicht die Gesamtperson mit Bemerkungen wie: “Du bist ja ein wunderbarer Schatz!” Besser ist es, wenn sich ihr Lob direkt auf die Handlung bezieht: “Das … hast du gut gemacht!” Wenn sie zu oft die Ausdrücke “lieb” und “brav” verwenden, wird es später entdecken, dass es auch das Gegenteil tun kann. Vielleicht macht es dann etwas Verbotenes, um zu zeigen, dass es nicht immer lieb sein kann, dass es seinen eigenen Willen hat.